Das Hauptwerk Keplers

Der Förderer Keplers, der Kaiser Rudolph II, starb 1612. Zwar bestätigte sein Nachfolger den Hofastronom in seinem Amt, er konnte ihm aber aufgrund der zerrütteten Staatsfinanzen kaum Geld zur Verfügung stellen. Kepler, der inzwischen geheiratet und eine Familie gegründet hatte, war demnach gezwungen, eine Stelle als Landschaftsmathematiker und Gymnasiallehrer in Linz anzunehmen. Zudem gab er Kalender mit astrologischen Inhalten heraus, da mit dieser Art der Sterndeutung mehr zu verdienen war als mit echter Astronomie – ein Zitat von Kepler dazu lautet:
“Die wohlfeile Tochter Astrologia muss ihre arme, aber ehrsame Mutter Astronomia ernähren”.
Auch unter diesen schwierigeren Umständen gelang es Kepler, 1619 sein Hauptwerk “Harmonicus mundi” in fünf Bänden zu veröffentlichen.
Er untersucht darin die Gesetzmäßigkeiten der Planetenabstände und formuliert sein bekanntes drittes Gesetz:
Das Verhältnis der Quadrate der Umlaufzeiten zu den Kuben der mittleren Abstände von der Sonne ist für alle Planeten gleich groß.

Das bedeutet kurz gesagt: je weiter ein Planet von der Sonne entfernt ist, desto geringer ist seine Bahngeschwindigkeit.
Diese revolutionäre Erkenntnis brachte Kepler auf den Gedanken, dass demnach von der Sonne selber eine Kraft ausgehen musste, die die Bewegung und Geschwindigkeit der Planeten bestimmte – eine Kraft, die mit zunehmender Entfernung immer schwächer wurde.

Diese Idee ist in doppelter Hinsicht bedeutend: erstens nimmt Kepler damit nur durch Beobachtung das Gravitationsgesetz fast vorweg, zweitens zeigt es seine Rolle als moderner Forscher im Gegensatz zu den Beobachtern des Mittelalters, denn er sucht nach physikalischen Ursachen für die zu sehenden Zustände und nimmt sie nicht einfach als “gottgegeben” hin.